Unsere Coronahilfe auf Boa Vista

30.7.2020 

Hilfe für Schwangere (ein Situationsbericht  von Birte)

 

Man kann sagen, heute kommt das erste Kapitel einer hoffentlich langen und tollen Lebensgeschichte zum Abschluss und wir fühlen uns als wären wir ein bisschen Tante/Onkel geworden, da wir diese Familie schon seit einigen Wochen begleiten und sie somit sehr gut kennen gelernt haben. Natürlich ist die Hilfe nicht bei allen gleich und bei manchen verändert sie sich auch mit der Zeit, aber wir versuchen immer die Lage einzuschätzen und so viel zu tun wie wir können, damit es den Menschen, denen wir gerade helfen, besser geht.

 

Heute morgen um 11.14Uhr wurden Jason Gael in Praia im Krankenhaus geboren und wir sind froh, dass es seiner Mutter Ariana gut geht. Aber fangen wir mal ganz von vorne an. Wir lernen Ariana und ihren Freund Edgar ca. 6 Wochen vor dem heutigen Tag kennen. Ihre damalige Vermieterin, die ich schon länger aus der Nachbarschaft kenne, hatte mich angesprochen und gefragt ob ich den beiden ein wenig unter die Arme greifen könnte. Edgar ist eigentlich Taxifahrer, aber seit der Krise arbeitslos, Ariana, die vorher in einer Bar gearbeitet hat, ist ebenfalls aufgrund von Corona ohne Job. Wir helfen also erstmal mit einem Essenspaket und der Begleichung von Wasser- und Stromkosten aus. Leider meint es das Schicksal in diesen letzten Wochen, wo sich eine Mutter eigentlich auf ihr Baby freuen sollte, nicht so gut mit Ariana. Da sie recht nah bei uns wohnt gehen wir sie jeden Tag besuchen. Sie ist eine sehr schüchterne junge Frau, der es sehr schwer fällt über ihre Situation zu reden, geschweige denn irgendetwas zu "fordern", was sie benötigt. Aber nach und nach bricht das Eis zwischen uns. Nach einigen Tagen in dieser Situation bekommt die Vermieterin Panik, dass die ganze Corona Zeit sich doch länger hinzieht als gedacht und somit auch die erwartete Miete erstmal nicht fließen wird. Die Situation zwischen den Parteien wird immer angespannter.

 

Durch einen lieben Helfer können wir dafür sorgen, dass Ariana und ihr Freund in eine andere Wohnung umziehen können. Die Vermieterin hat somit die Möglichkeit an jemanden anderes unter zu vermieten und für Ariana fallen hier keine Kosten an. An dieser Stelle ein riesen Dankeschön an Dirk Sokol, der keine Sekunde gezögert hat, uns sein Vertrauen und auch den Appartement-Schlüssel zu geben und sich sofort bereit erklärt hat auch die Kosten für Strom und Wasser zu tragen.

 

Zu diesem Zeitpunkt gingen wir noch davon aus, dass es ab 5.7. wieder Flüge zwischen den Inseln geben würde. Das Krankenhaus gab sein OK, dass Ariana dann mit dem ersten Flieger auf ihre Heimatinsel nach Sao Vicente reisen könne. Allerdings verschob sich das Datum nochmal, so dass der erste Flug von Boa Vista erst am 19.7 startete. Das war ein bisschen spät, denn Arianas errechneter Geburtstermin war der 23.7. - sie sollte sich also auf eine Geburt auf Boa Vista einstellen und dann danach zu ihrer Familie reisen. Jason allerdings hatte es sich so richtig bequem gemacht in Mamas Bauch und fand nicht, dass es am 23. schon Zeit war auszuziehen. Da auf Boa Vista keine Möglichkeiten zur Einleitung und schon gar nicht für einen Kaiserschnitt bestehen, beschloss die Ärztin also, dass Ariana nach Praia ausgeflogen werden sollte. Dies geschah am 26.7. Sie morgens mit ihrem Koffer in Richtung Praia ziehen zu lassen fiel uns ziemlich schwer. In Praia angekommen ließ sich der kleine Mann noch ein wenig mehr Zeit bis er sich dann doch am 29.7 auf den Weg machte. Wie oben schon gesagt, geht es Mutter und Kind gut und sie sind mittlerweile auch aus dem Krankenhaus entlassen. Ariana wartet jetzt auf die Weiterreise nach Sao Vicente und Edgar wird am kommenden Sonntag auch die Reise zu seiner kleinen Familie antreten.

 

Das erste Kapitel von "unserem" kleinen Schützling schließt sich hier also und wir hoffen sehr, dass die nächsten ein bisschen weniger holprig werden. Aber bei solch lieben Eltern wird er immer, egal was passiert, gut beschützt und begleitet sein - und wenn es doch mal schwierig wird hat er immer noch seine "Tante" und seinen "Onkel" auf Boa Vista.

 

 

Wir möchten in diesem Zusammenhang auch nochmal VB Tours (Vicky and Becky) danken, die Ariana sofort nachdem wir sie informiert hatten mit in ihr Essenspakete Projekt aufgenommen haben. Gemeinsam, dass sieht man hier, haben wir schon viel erreicht. 

 


 

Donnerstag, 30.07.2020

Ein kleiner Besuch in Bofareira (ein Situationsbericht von Birte)

 

Heute geht es für uns nach Bofareira. Cristina fand auf ihrem letzten Besuch dort eine Frau, die dringend einen Rollstuhl braucht und jemanden für den eine neue Matratze nötig wäre. Da wir immer noch ein paar Spenden aus dem Container vom April übrig haben, konnten wir aushelfen. Praktisch gedacht sind wir natürlich nicht nur mit den 2 Dingen nach Bofareira gefahren, sondern haben auf gut Glück noch eine Gehhilfe, einen Kinderwagen, einige Packungen Windeln und 6 Steigen Joghurt mitgenommen.

 

Der Andrang war wieder sehr groß und wie immer bei den Aktionen, hätten wir die doppelte oder dreifache Menge auch locker an die Bewohner verteilen können. Besonders den Kindern merkt man an, dass sie sich schon über den reinen Besuch freuen, denn ohne Gäste ist es hier in den Dörfern schon sehr still geworden. Die Verteilung ging durch gute Mundpropaganda wieder sehr schnell und die meisten Kinder kamen persönlich vorbei, um zu schauen was es gibt. Natürlich werden wir bei dieser Gelegenheit auch immer auf andere Hilfen angesprochen, wie Miete, Wasser- und Stromrechnungen.

 

Es gibt also nach den Besuchen immer eine gewisse "Nachsorge" und man stößt immer wieder auf Menschen, die man vorher noch nicht kannte. Genau das ist übrigens auch das schöne an der Zusammenarbeit mit den unterschiedlichen Helfern hier - jeder kennt andere Schicksale und hat einen anderen Kreis an Menschen - und andersrum bietet jeder Verein, jeder Helfer eine andere Art von Hilfe an. 

 


Mittwoch, 29.7.2020

Hilfe für Schwangere: "Laboruntersuchungen" (ein Situationsbericht von Birte)

 

Heute morgen waren wir beim Laboratorio Tavares. Zusammen mit der Leitung des Krankenhauses wurde hier ein Abkommen getroffen, um Laboruntersuchungen, die nicht im Krankenhaus machbar sind, durchzuführen. Für die erste Runde haben wir 75.000 CVE hinterlegt und das Labor hat uns einen Rabatt von fast 50% pro Untersuchung ermöglicht.

Da wir in den letzten Wochen schon immer mal Analysen individuell bezahlt haben, ermöglicht unser jetziges Vorgehen dem Krankenhaus nun mehr Spielraum und schnellere Handlungsfähigkeit. Für uns ist es natürlich auch eine Erleichterung, denn vorher mussten wir immer mit zu den Terminen der Analyse, um dann direkt zu bezahlen.

 

Das Laboratorio Tavares ist noch recht neu hier bei uns auf Boa Vista und ist sehr froh über diese Kooperation. Das Krankenhaus in Sal Rei steht außerdem noch mit der Klinik Esperanca in Rabil in Kontakt. Mit dieser würden wir auch gerne eine ähnliche Abmachung treffen. Die Klinik ist für die Ultraschall-Untersuchungen für Schwangere zuständig. Hierdurch könnten wir gewährleisten, dass mehr Frauen und besonders Risikofälle, die richtige ärztliche Betreuung bekommen und Komplikationen rechtzeitig erkannt werden können. 

 


Donnerstag, 23.7.2020

Hilfe für viele Familien: "Essenspakete  an sehr abgelegenen Orten"   (ein Situationsbericht  von Birte)

 

Heute steht eine große Aktion für uns an, für die wir uns auch wieder Hilfe ins Boot geholt haben, da wir mehr Hände und auch ein Auto brauchen. Um 9 Uhr holt uns Cristina ab und es geht als erstes mal zum Einkaufen. Heute geht es um Menschen, die bis jetzt noch nicht sehr viel Hilfe bekommen haben und vor allem, teilweise so weit ab wohnen, dass sie auch gar nicht auf unsere Hilfe zugreifen können. Genau aus diesem Grund haben wir uns für Essenspakete entschieden.

Nachdem wir bei Benito Obst und Gemüse gekauft haben (danke für die extra Kiste Äpfel - die wird heute noch viel Freude bereiten) geht es weiter zum Boas Compras. Auch hier bekommen wir wieder Discount auf unseren Einkauf. Viele packen sofort mit an, um alles auf das Auto zu verladen. Wir rufen noch Francisco dazu, denn ein Pick Up reicht wohl doch nicht aus. Nach kurzer Beratung, wo wir packen, stellt Francisco uns seine Garage zur Verfügung und das ist perfekt. Wir laden aus, sortieren und fangen an 30 gleiche Pakete zu packen. Das ist gar nicht so einfach bei so vielen verschiedenen Dingen und vor allem bei den etwas rissigen Tüten. Sogar die kleinen Hände von Elyas und Anna helfen mit, die Äpfel und Möhren abzuzählen und einzupacken. Ein Paket besteht aus Reis, Bohnen, Erbsen, Öl, Nudeln, Thunfisch, Tomatenmark, Würstchen, Milchpulver, Butter, Äpfeln, Orangen, Möhren, Kartoffeln, Zwiebeln, Seife, Waschmittel und Spüli (ich hoffe, ich hab nichts vergessen :-)) Am Ende ist so viel da, dass wir noch ca 8 weitere Pakete packen können. 

Nachdem alles systematisch wieder auf die beiden Pick Ups geladen ist, geht es los. Wir wollen uns auf zwei ganz besondere Stellen konzentrieren, die die meisten Touristen wohl nicht kennen und die vor allem in den letzten 4 Monaten noch nicht wirklich oft bedacht wurden. Als erstes geht es für uns in das "Industriegebiet" hinter Sal Rei. Quadfahrer und auch viele Touren sind hier früher lang gefahren, vorbei an den Schweineställen und genau dahinter gibt es einige Familien, die dort direkt bei ihrem Vieh ihr Leben bestreiten. Alle sind freundlich und vor allem überrascht über unseren Besuch. Da einige von den Bewohnern noch arbeiten sind, Fischen oder sich um das Vieh kümmern, beschließen wir erstmal weiter zu machen und später wieder zu kommen.

 

Die nächste Station ist ähnlich trist und auch schockierend. Eigentlich sollte auf einer touristischen Insel wie unserer, niemand in solchen Verhältnissen hausen müssen. Wir fahren durch Rabil auf der Straße Richtung Povoacao Velha, an der auch die Müllkippe liegt. Auch hier, obwohl durch die Regierung schon sehr reduziert, wohnen noch ein paar Menschen. Die Hütten sind aus so ziemlich aus Allem gebaut, was man sich vorstellen kann und die Häuser liegen teilweise einige Minuten Fahrzeit auseinander. Das Tolle hier ist, einer schickt uns zum nächsten weiter, bis wir alle Häuser abgeklappert haben. Ich muss zugeben, auch nach 12 Jahren hier, befahre ich heute Wege und sehe Hütten, die ich vorher noch nicht kannte.

Auch hier ist die Dankbarkeit und die Überwältigung der Leute wieder zu spüren. Eine der Frauen sagt uns, sie ist froh, dass sie doch nicht vergessen werden, obwohl sie so abgelegen leben und das man einfach die Hoffnung nicht verlieren darf. 

 

Da wir auch nach dem erneuten Besuch unserer ersten Station noch ein paar Pakete übrig haben, verteilen wir noch an einige an Familien in Rabil und oben an der Töpferschule, wo sich am späten Nachmittag die Kinder und Jugendlichen zum Fußball versammeln, stoßen wir auf viele Fans für das  restliche Obst, was sofort vertilgt wird. 

 

 

Zu guter Letzt, es ist nun schon Abend, führt uns der letzte Weg noch einmal zum Boas Compras. Die letzten 4 Tüten gehen an die Frauen, die heute morgen so fleißig alles aus dem Laden auf die Autos geschleppt haben. Es sind Verkäuferinnen für Obst, Gemüse, Fisch, Würste, deren Geschäfte im Moment auch zu wünschen übrig lassen und die sich ebenfalls sehr über die Hilfe für ihre Familien freuen. Wir bedanken uns für den Respekt und die Dankbarkeit, die wir heute wieder erfahren durften und natürlich geht auch ein riesen Dank an unsere heutigen Helfer.

 


17. bis 19.07.2020

Hilfe für viele über das Wochenende: "Suppenküche, Krankenhaus, Einkaufen mit Familien"   (ein Situationsbericht  von Birte aus Sal Rei)

 

Dieses Wochenende waren wir viel unterwegs. Am Freitag trafen wir uns mit der Psychologin vom Krankenhaus. Auf Grund der aktuellen Lage hat sie im Moment überdurchschnittlich viele Personen (Erwachsene und auch Kinder) zu betreuen. Da wir seit einigen Wochen engeren Kontakt mit dem Krankenhaus haben, hat die Psychologin  Wanda uns angesprochen, ob wir eventuell für ihr Sprechzimmer ein bisschen Ausstattung hätten. Da immer noch ein paar Sachen aus dem letzten Container im Ministerium stehen, nahmen wir sie dorthin mit. Ein kleiner Tisch, ein Regal und eine Kommode für die Spielsachen, sowie ein paar Lernspielsachen wurden direkt eingeladen und mitgenommen. Wie ihr auf den Bildern sehen könnt, hat sie gleich alles aufgebaut. Was jetzt noch ansteht, ist ein neuer Anstrich, denn die Farbe in ihrem Sprechzimmer ist für ihre Art von Arbeit nicht gerade ideal. Hierfür warten wir auf ein Angebot für die Farbe. Gleichzeitig haben wir auch noch 2 Kinderwagen und eine Matratze aus dem Ministerium mitgenommen und an Personen verteilt, die uns im Laufe der Woche angesprochen hatten.

 

Zurück zu Hause standen wieder ein paar Leute vor unserer Haustür, mit denen wir direkt zum Einkaufen gegangen sind. Auch zwei mobile Straßenverkäuferinnen für Pizza und Gebäck, denen wir mit etwas Bargeld für den Kauf ihres Materials unter die Arme gegriffen haben, konnten wir wieder helfen.

 

Wir versuchen uns immer die Zeit zu nehmen, um uns den Hintergrund jeder einzelne Familie, berufliche und private Situation anzuhören. Nur so können wir dann entscheiden, welche Hilfe sinnvoll ist. Dabei behilflich sind uns auch weiterhin, die Mitarbeiterin Simone von der ICCA (eine Art Jugendamt) und auch die Sozialarbeiterin Zelida aus dem Krankenhaus, indem sie uns bedürftige Personen "vermitteln". 

 

Für Samstag morgen hatte ich mich mit 4 Familien verabredet, um auch für diese einen Einkauf zu tätigen. Wir versuchen es so zu machen, damit die Personen selber entscheiden können, was gerade gebraucht wird (Lebensmittel, Babyzubehör, Reinigungsmittel, Hygieneartikel etc.). Ich muss sagen, der Einkauf verlief etwas anders als geplant, denn aus den 4 Familien wurden schnell mehr und mehr.  Zuerst dachte ich mir, warum denn nicht, es ist ja egal, aber als dann fast 30 Personen eingekauft hatten und die Schlange vor dem Laden immer größer wurde, mussten wir erstmal abbrechen. Man merkt zum einen, dass die Not immer größer wird und die Menschen somit auch „radikaler“, aber es ist eben auch wichtig, hier auf beiden Seiten den Respekt zu wahren und den Menschen klar zu machen, dass auch wir die Mitteln irgendwie beschaffen müssen und sie nicht unendlich sind. 

Die Reaktionen der Menschen sind sehr unterschiedlich, manche sind froh, aber manche eben auch enttäuscht oder fühlen sich zurückgestellt. Die Organisation ACUB (Suppenküche) hat dazu einen passenden Bericht auf Facebook verfasst, der eben diese Situation beschreibt. Das wichtigste ist der gegenseitige Respekt und auch das Vertrauen darauf, dass wir wissen was wir hier tun. 

 

Am Sonntag war wieder Suppentag. Es war der Start in die 5. Woche der Suppenaktion und es wird immer noch sehr gut angenommen. Wir sind sehr froh darüber, dass es so gut klappt, dass all die Freiwilligen so fleißig mitarbeiten.  Was viele nicht wissen, es geht nicht nur darum, dass 2 Mal die Woche die Suppe ab morgens um 5 Uhr gekocht wird, sondern es müssen vorher die Einkäufe getätigt werden, die Töpfe müssen an die entsprechende Stelle gebracht werden (ohne Auto), das Feuerholz wird gesammelt (Bilder) und im Anschluss werden die Töpfe geschrubbt und wieder in die Zentrale von ACUB transportiert. An diesem Sonntag waren übrigens zum ersten Mal unsere 4 Töpfe im Einsatz. Frisch aus Praia importiert. Sie sind eine große Hilfe, vorher wurden eben diese 4 Töpfe angemietet, was uns jetzt bei jedem Suppentag eine Ersparnis von 4000 CVE bringt - in Suppe gerechnet ca. 1,5 Töpfe, die von diesem Geld mehr gekocht werden können. Wir sind also sehr optimistisch, dass wir noch 2-3 Wochen mit der Suppe weitermachen können.

 

Nachdem alles verteilt war, hatten wir noch eine spezielle Mission, um die uns Augusto ein Mitarbeiter von ACUB gebeten hatte. Ein Besuch bei Eugenia. Sie ist eine Frau, die wir hier als Lutadora (eine Kämpferin) bezeichnen. Vor ca. einem Jahr machte sie sich auf die Reise nach Guinea Bissau, das liegt an der Westküste zum Atlantik und grenzt an Senegal und Guinea. Dort lebte bis zu diesem Zeitpunkt ihre Tochter mit ihren 3 minderjährigen Kindern, Eugenia war dort, um ihre Tochter abzuholen, denn ihre Gesundheit ist leider sehr instabil. Probleme mit den Nieren, dem Magen und dem Verdauungstrakt zwingen sie immer wieder dazu Stunden oder sogar Tage auszuruhen.  Das führt auch dazu, dass sie  sich nicht um ihre Kinder kümmern konnte. Um Sie und die Enkel besser versorgen zu können, holte Eugenia sie also erst nach Santiago (für eine längere Behandlung im Krankenhaus) und anschließend nach Boa Vista. Sie selbst verkauft alle möglichen Waren, die sie in Santiago und im Ausland einkaufen lässt, auf der Straße weiter. Eugenia hat zwar ein eigenes Haus, aber seit Covid 19 hat sie keine Einkünfte mehr. Zudem ist ihre andere Tochter zur Mietersparnis bei ihr eingezogen sowie ihr Sohn, dessen Frau nach Santiago gehen wird. Momentan sind es also 9 Personen und bald wohl sogar 10, die dort auf etwa 50 - 60 Quadratmetern wohnen. Sie sagt ganz offen, dass sie noch nicht hungern mussten, aber dass es natürlich von Woche zu Woche enger wird.  Es fallen eben auch immer wieder die medizinischen Kosten und die Ausgaben für Medikamente ständig an. Wir haben Eugenia ein bisschen Geld für den Einkauf von Nahrungsmitteln etc. dort gelassen, als kleine Soforthilfe und ihr auch gesagt, dass sie sich bei uns melden soll, wenn andere Kosten anfallen. Ihr Gesicht als wir gegangen sind, war das einer erleichterten Kämpferin, die merkt, dass sie doch nicht ganz allein ist. 

 

So starten wir also in die Woche mit vielen Leuten, die auch Hilfe brauchen und hoffentlich mit vielen neuen und alten Aktionen, über die wir euch natürlich informieren werden. 

 


14.07.2020

Hilfe für Familien auf den Dörfern: "Hygieneartikel, Lebensmittel, Sachspenden"   (ein Situationsbericht  von Birte aus Sal Rei)

 

Heute kümmern wir uns um ein paar Sachen, die wegen den Quarantänebestimmungen liegen geblieben sind und nun endlich zum Einsatz kommen sollen. Wir wollen einige Sachen aus unserem Container, der im April auf der Insel angekommen ist verteilen.

 

Wir sind heute auch mit einer größeren Truppe unterwegs und haben ein paar Helfer mehr wie sonst. Deswegen gleich vorne weg, vielen Dank an Mika (der muss ja immer ran), Kai (für Hilfe und Auto), Julian (der immer wieder für Ordnung gesorgt hat), Ze (der Mann vom Leuchtturm, der sehr gutes Augenmaß bei der Kleidung bewiesen hat) sowie der Fahrer Merinho (ohne den wir in Estancia de Baixo aufgeschmissen gewesen wären).

 

Gegen 10 Uhr beladen wir zwei Pick Ups mit Spenden aus dem letzten Container mit Roller, Rollatoren, Kleidung, Spielsachen, Kinderwagen, Rollstühle, Matratzen etc. Danach geht es zu einem flotten Einkauf in den Boas Compras. Unser Ziel hier ist die Hygiene Abteilung, um dort Windeln, Binden, Toilettenpapier, Seife,  Reinigungsmittel, Spülmittel, Waschmittel usw. zu besorgen. Diese Artikel, die wesentlich teurer sind als in Deutschland und im Moment „heiße“ Ware auf Boa Vista. Nachdem der Boas Compras uns netterweise wieder (auch bei den Pampers schon) 15% Rabatt gewährt hat und alles verpackt ist, geht es für uns auf die Dörfer.

 

Die Kinder und auch ein paar Erwachsene folgen bei unserer Ankunft den Autos wie dem Rattenfänger, denn jetzt heißt es gleich schnell sein. Wir parken am Hauptplatz und laden ein paar Sachen ab. Nachdem der Andrang allerdings schnell mehr wird, müssen wir von den Autos runter verteilen, denn sonst könnte keiner die Kontrolle über die Waren behalten. Man merkt die Not und auch den Drang möglichst viel zu bekommen. So stoppen wir die Verteilung zwischendurch immer wieder, um die Leute ein bisschen zu beruhigen und auch teilweise zur Ordnung zu rufen.

 

Die vielen glücklichen Gesichter entschädigen allerdings schnell für den anfänglichen Stress. Sogar die Kartons, in denen wir die Waren transportiert haben, werden gerne genommen. Als alles verteilt ist und wir uns wieder auf den Weg machen stehen viele Menschen am Hauptplatz und winken uns zum Abschied. Für uns geht es nun in die 2. Runde für heute. Ein weiteres Mal fahren wir zum Ministerium, um die Autos zu beladen und dann weiter nach Santa Barbara und die Frenação (zwei Straßenzüge am Fischerhafen von Sal Rei). Es sind wieder Spielsachen, Roller, Räder, Kinderwagen und Kleidung dabei.

Auch hier ist der Andrang groß und die Kleinen benehmen sich wieder besser als die Großen. Die größeren Kinder bekommen die Roller, allerdings mit der Auflage, dass geteilt werden muss und zum Glück klappt das hier nach der ersten Euphorie über das neue Spielzeug auch.

Bei der Kleidung dauerte es ein bisschen, denn die Kartons sind sehr gemischt und wir gehen so zu sagen nach Augenmaß, was natürlich ein bisschen dauert. Um den Überblick zu behalten verteilen wir auch hier wieder vom Auto aus, denn wie ihr auf den Fotos sehen könnt, ist es ein ziemliches Gewusel. Auch hier gibt es stressige Momente, aber am Ende sind alle glücklich über das was sie bekommen haben. Auch für diese Gegend werden wir noch die Hygiene Artikel verteilen, allerdings in einer anderen Version bereits pro Person in Tüten verpackt (Männer- und Frauentüten), damit es gar nicht erst zu Stress kommt. 

 

Gegen halb 4 sind wir fertig und vor allem hungrig und durstig (es hatte heute knackige 35 Grad) und reflektieren den Tag nochmal bei einem gemeinsamen, sehr späten Mittagessen. Die Worte von Kai "stressig aber befriedigend" treffen die Beschreibung unseres Tages sehr genau und so freuen wir uns auf die nächste Aktion. 

 

 

 


13.07.2020

Aktuelle Lage über unsere Maßnahmen (ein Situationsbericht  von Birte).

 

Auch wenn es scheint, dass es um uns ruhig geworden ist und wir nicht mehr aktiv sind, so kümmern wir uns stetig um die laufenden Projekte und versuchen auch weiter zu schauen in welchen Bereichen noch geholfen werden kann. Es wird weiterhin mittwochs und sonntags die Suppe im Bairro und in Santa Barbara geben, da wir feststellen, dass der Andrang und die Nachfrage immer mehr wird.

 

Wir sind auch weiterhin mit dem Krankenhaus im Kontakt. Wir unterstützen einige Patienten sowohl in der Verpflegung, weil sie leider über ihre Familien schlecht oder gar nicht versorgt werden können als auch mit der Übernahme von Untersuchungs- und Laborkosten. Hier warten wir noch auf die Proforma Rechnungen der Labore und der Klinik, um eine längerfristige Unterstützung geben zu können.

 

Wie ihr gelesen habt, gab es eine weitere Windelaktion, die wieder so gut angenommen wurde, dass wir auch hier versuchen in Runde 3 zu gehen und auch die kleinen Dörfer mit einzubeziehen.

 

Stromrechnungen sind mittlerweile aus allen Dörfern bei uns eingegangen und nach und nach bei AEB bezahlt worden. Auch hier gehen wir gerade so zu sagen in die 2. Runde. Je mehr Aktionen es gibt, desto mehr Menschen finden natürlich auch privat den Weg zu unsere Tür und wir versuchen zu helfen wo es geht. Wir gehen gemeinsam einkaufen, stellen Beträge für Miete, Wasser, Strom, Gas, Medikamente zur Verfügung, wir bezahlen Tickets für die Schiffe, um Familien zusammen zu bringen oder dafür zu sorgen, dass auf die Heimatinsel ausgereist werden kann.

 

Die Bedürfnisse und Schicksale sind so unterschiedlich, dass man ein ganzes Buch damit füllen könnte, auch mit der Dankbarkeit und dem Respekt, der uns entgegen gebracht wird. Die Anerkennung für diese Arbeit und auch die Bereitschaft uns zu helfen, wo man kann ist riesen groß. Zum Glück verstehen die meisten das Geben- und Nehmen-Prinzip und somit hoffen wir, dass es immer weiter geht, dass wir mit dem was wir tun, helfen können und vor allem den Menschen ein wenig Hoffnung geben und sie nicht alleine sind. Das ist die Resonanz, die wir von den Menschen sehr oft zu hören bekommen. Alle haben Hoffnung und alle vertrauen darauf, dass es weiter geht und wenn wir dann für ein Glücksmoment sorgen können, überträgt es sich ganz automatisch auf uns.

 

Eine dieser Geschichten haben wir zum Beispiel am Tag nach der Windelvergabe erlebt. Ein junger Mann stand in Arbeitskleidung bei uns vor der Tür und fragte nach, ob noch Windeln übrig seien. Die waren am Vortag innerhalb einer Stunde alle weg. Wie auch schon bei der ersten Windelaktion, hatten wir bereits viele Leute auf eine nächste Runde verweisen müssen, da wir einfach nicht genug Windeln organisieren konnten. Sein Name ist Helio, wie er uns erzählt. Seine Frau hat einen kleinen Putzjob und er hütet in der Zeit das Kind (4 Monate), genau am Tag der Windelverteilung, zu der seine Frau ihn geschickt hatte, ergab sich für ihn ein kleiner Minijob, weswegen er nicht kommen konnte. Er sagt, da das Kind noch sehr klein ist und gestillt wird, brauchen sie sonst für das Baby eigentlich nichts. Mit den Lebensmitteln ist es zwar knapp, aber sie arrangieren sich irgendwie. Das war wohl bei Mika und auch bei mir das Stichwort, denn jeder weiß, eine Frau die stillt muss sich auch gut und ausreichend ernähren, sonst haben am Ende des Tages alle Hunger. Mit den Worten "Heute ist dein Glückstag, mein Freund", die Mika an Helio richtet nehmen wir ihn mit in den Supermarkt und kaufen neben den Windeln auch noch einige Grundnahrungsmittel ein. Helio selber ist ziemlich überrascht und auch etwas überfordert mit uns, aber vor dem Laden glücklich und voller Dank. Auch seine Frau am Telefon, die er wegen der Windelgröße anrufen musste, ist ziemlich perplex und fragt alles genau nach. Diese Reaktion sehen wir oft. Erst die Skepsis über das Angebot, dann das nicht glauben wollen, dass wir das wirklich so machen und quasi eine direkte Hilfe und Lösung anbieten und danach die Erleichterung, das Glück und der Dank. 

 

 

Wir hoffen, dass diese Berichte die Gefühle auch ein bisschen auf euch übertragen und ihr somit sehen könnt, wie wichtig und gut diese Aktionen, die wir mit Hilfe der zahlreichen Spenden starten können, sind. 

 


07.07.2020

Hilfe für Familien mit kleinen Kindern. Hier: "Tag der Windeln"  Teil 2:  

 

Heute konnte Birte, Mika und Elyas wieder Windeln an Mutti´s und Schwangere verteilen. Die Freude war wie beim letzten Mal sehr groß und der Andrang war wieder enorm. Diesmal konnten wir 85 Packungen Windel in verschiedenen Größen organisieren. In zweieinhalb Stunden war alles verteilt und bis zum Nachmittag kamen immer noch Mütter, die Bedarf hatten. Wir konnten leider nicht mehr als die 85 Päckchen besorgen.

 


25.6.2020

Hilfe für Familien: Hier: " Meeting im Krankenhaus"  (ein Situationsbericht  von Birte aus Sal Rei)

 

Nachdem das erste Meeting diese Woche wegen eines Notfalls im Krankenhaus leider geplatzt ist, treffen wir uns heute ein weiteres Mal. Anwesend ist jemand aus der Administration, die Oberärztin (Delegada de Saude) und die Oberschwester, die Leitung des Krankenhauses setzt sich aus diesen drei und einer weiteren Person zusammen. 

Im Meeting wollen wir die Art der Hilfe klären, die ich im ersten Meeting schon kurz mit der Oberschwester angerissen habe, so dass die Leitung untereinander schon mal beraten konnte. Zum einen geht es natürlich um die schnelle Hilfe in der aktuellen Situation, denn auch im Krankenhaus tuen sich viele Probleme auf, Untersuchungen werden nicht wahr genommen, Medikamente werden gar nicht oder nur teilweise gekauft und eingenommen und außerdem ist bereits jetzt eine Verdopplung an Schwangeren (im Vergleich zu den Vormonaten) zu verzeichnen, weiterhin mit einer Tendenz nach oben. Was mangelnde Versorgung oder auch nicht eingehaltene Untersuchungen verursachen können ist wohl jedem bewusst. Da das Krankenhaus seine "Zentralverwaltung" auf Santiago hat, hier also eigentlich nicht über finanzielle Mittel verfügen kann, haben sich die 3 schon etwas überlegt. Es sollen in den Laboratorien (es gibt 3) und auch bei dem Arzt in der Privatklinik Boa Esperanca, der die Ultraschalluntersuchungen macht, Gelder hinterlegt werden, um den Frauen gratis Untersuchungen zu ermöglichen. Dafür werden in den nächsten Tagen Preise eingeholt und dann teilen wir das Geld entsprechend auf. Ein weiterer Teil soll für Verpflegung genutzt werden. Hier im KH wird man nicht versorgt, die Versorgung von ALLEM erfolgt von den jeweiligen Angehörigen. Auch in dem Bereich gibt es viele Schwierigkeiten, da zum einen viele Patienten schlechter durch Familie versorgt werden können und zum anderen im Moment auch einige Patienten im KH liegen, die sonst schlichtweg auf der Straße wären und das ist nicht zu verantworten. 

 

In diesem Kontext lernen wir auch Neusa kennen. Sie wohnte im Bairro, ist im 9. Monat schwanger und hat keinerlei Angehörige mehr auf Boa Vista, da alle schon auf ihre Heimatinsel zurück gegangen sind. Vorher hat sie aus großen Gefäßen, die sie auf dem Kopf getragen hat, Suppe verkauft. Das geht nun natürlich nicht mehr. Dadurch fehlen ihr die Einnahmen und nun hat man ihr auch noch die Unterkunft gekündigt. Das KH hatte große Sorgen, dass sie sich und ihr Baby nicht richtig versorgen kann, deswegen wurde sie dort aufgenommen. Auch hier kümmern wir uns mit um die Versorgung durch Einkäufe und den Spenden vom Cafe Encontro. 

 

Wir haben das Meeting auch gleich genutzt, um über weitere Ideen zu sprechen bei denen wir vielleicht in der Zukunft behilflich sein können. Was ist sinnvoll und auch machbar. Ziel ist es diverse Pläne auszuarbeiten und dann zu schauen was davon umsetzbar ist. 

  

Es war übrigens unser erstes Meeting mit der Oberärztin Lilliana, da sie erst in der Covid Zeit hier eingesetzt wurde, aber wir haben ein gutes Gefühl für die Zusammenarbeit und freuen uns auf viele erfolgreiche Projekte. 

 


19.06.2020

Hilfe für Familien: Hier: "Stromrechnungen"   (ein Situationsbericht  von Birte aus Sal Rei)

 

Die letzten Wochen haben wir noch ein weiteres Projekt in Angriff genommen und auch schon teilweise realisiert. Da wir uns gerne auf Projekte konzentrieren möchten die bis jetzt noch nicht angegangen wurden, haben wir uns mit den offenen Stromrechnungen auseinandergesetzt. Die erste Idee war beim Stromanbieter einen bestimmten Betrag zu hinterlegen, der für Bedürftige benutzt werden sollte, aber würde man das auch so realisieren? Die Ausführung ist nun eine etwas andere, denn wir haben in allen Dörfern über verschiedene Kontakte Stromrechnungen, bzw. Kundennummern angefordert und bezahlen diese nun nach und nach direkt bei AEB (hiesiger Stromanbieter). Eigentlich wurde ganz am Anfang der Quarantäne gesagt, dass in der Zeit des Lockdowns keine Stromrechnungen ausgestellt werden (also kein Strom berechnet wird). Es ist allerdings nur so, dass der Strom bis jetzt nicht abgedreht wurde, die Kosten aber weiterhin auflaufen. Kurz zur Erklärung, normalerweise wird der Stromzähler mit einer Sperre versehen, sobald 2 Rechnungen nicht bezahlt wurden. Ab Juni wird nun wieder normal abgerechnet, und in einigen Haushalten ist natürlich einiges aufgelaufen. Viele haben nun Angst, dass der Strom noch diesen Monat abgestellt wird. Wir werden nun also nach und nach die Rechnungen (oder Teile davon) bei Familien, die dies nicht selber stemmen können begleichen. Es wurden bereits 9 Haushalte aus Povoacao Velha beglichen, 3 aus Sal Rei und weitere 6 aus Norte. Die Kundennummern trudeln von den Helfern auf den Dörfern nach und nach bei mir ein. Ich gehe 1-2 Mal die Woche zur AEB und begleiche einen Teil. Warum nicht alles auf einmal? Ganz einfach, es muss jede Kundennummer aufgerufen werden, dann schauen wir was die offenen Beträge sind. Was davon wir übernehmen können und im Anschluss wird es bezahlt.  Ein sicheres Verfahren damit das Geld an der richtigen Stelle ankommt, aber eben auch Zeitaufwändig. 

Die Freude ist aber sehr groß, da ihnen eine große Last von den Schultern genommen wird.


17. und 18.06.2020

Hilfe für Familien: Hier: "Familien mit Baby´s und Kinder"   (ein Situationsbericht  von Birte aus Sal Rei)

 

Heute ist wieder Tag der Suppe. Aber bevor wir schauen was da heute los ist, treffe ich mich mit Simone. Sie ist eine Art Sozialarbeiterin bei der Institution ICCA (eine Art Jugendamt) Bei der ICCA laufen natürlich im Moment auch sehr viel Fälle auf. Die meisten Kinder kommen aus schwierigen Familien, werden in den Räumen der ICCA unterstützt und gefördert und über die Kinder werden auch die Familien mitbetreut. Wir hatten schon vorher bei Verteilungen von Hilfsgütern Kontakt mit Simone und haben sie auch im Rahmen des Corona-Projektes kontaktiert. Heute und morgen sind wir im Bairro unterwegs und besuchen dort 5 Familien. Mit allen (4 Mütter und ein Vater) gehen wir in einen nahe gelegenen Supermarkt, um Grundnahrungsmittel einzukaufen, denn im Moment werden so gut wie keine Hilfsgüter verteilt. 

Die erste, die wir besuchen ist Nisha. Sie wäscht gerade Wäsche mit der Hand. Simone hat mich zu ihr gebracht, denn diese Frau leistet im Moment sehr viel. Sie hat vor einem Monat ein Baby bekommen, ein ganz bezauberndes kleines Mädchen, dass uns auch sofort vorgestellt wird. Zu diesem "Minisäugling" hat sie noch weitere 4 Kinder, aber beim Zählen fällt auf, dass dort noch mehr sind. Nisha wollte kurz bevor die Quarantäne losging einer Freundin einen Gefallen tun und nahm deren 2 Kinder (11 und 7) bei sich auf, damit die Freundin nach Santo Antao reisen und sich um ein Kind das dort lebt kümmern konnte. Der Plan waren 2 Wochen. Aus diesen 2 Wochen sind nun fast 4 Monate geworden. In diesen Monaten hat sich bei allen Beteiligten die Lage drastisch geändert und für Nisha kam nun auch noch das Baby hinzu. Es stellte sich nie die Frage, die beiden Kinder wegzugeben oder die Betreuung zu verwehren. Sie kämpft nun eben für 7.

 

Der nächste Besuch ging zu Lenin (kein ungewöhnlicher Name hier bei uns). Er hat in den Barracudas einen kleinen Stand in dem er Schuhe repariert. Das Business läuft schlecht im Moment. Seine Frau hängt auf Santiago fest. Zusammen haben sie ein Kind, das bei Lenin wohnt und auch ein älterer Sohn, der geistige und auch körperliche Behinderungen hat. Er versucht nach Santiago zu kommen, aber bis jetzt weiß er noch nicht wie und hofft auch, dass sich die Lage auf Boa Vista bald wieder verbessert. 

 

Ich fühle mich ein bisschen wie der Rattenfänger von Hameln, nur das ich keine Flöte habe, aber unsere Gruppe wächst immer weiter, denn zu uns stößt auch noch Hirondina. Sie kommt aus Santome und hat auch 5 Kinder. Wie alle anderen empfängt sie uns mit einem Lächeln und freut sich, obwohl sie eigentlich noch gar nicht weiß was passiert. Mit Mundschutz ausgestattet geht es los in den Supermarkt und mit Beratung und Hilfe von Simone füllt auch sie ihren Einkaufskorb. Natürlich löst dieser Einkauf nicht die Probleme der nächsten Woche, aber er ist ein Lichtblick, den viele im Moment so dringend brauchen, um weiter Hoffnung zu haben. 

 

Am nächsten Tag (Donnerstag) geht es weiter. Heute treffen wir Natalia direkt vor dem Supermarkt. Auch sie wird mir von Simone "vermittelt", eine weitere Kämpferin aus Santome mit 3 Kindern. Kurz nachdem sie auf die Kapverden kam, liefen ihre Dokumente ab und sie traute sich nicht mit jemanden darüber zu sprechen. Ihr Sohn kam in das Zentrum von ICCA und so wurde Simone auf ihn aufmerksam. Natalia hat zuerst neben der Müllhalde gewohnt (einige Leute hatten sich dort mit Schweinezucht angesiedelt). Danach in Sal Rei in der Nähe der Schweineställe, in einem Haus aus Paletten und nun wohnt sie mit den Kindern in den Bairro. Auch hier kommt der Einkauf mehr als nötig und Natalia liegt noch etwas auf dem Herzen. Nächste Woche fängt die Einschreibung für die Schule an und da sie selber nur wenig lesen und schreiben kann, ist es ihr wichtig, ihre jüngste Tochter für die Schule anzumelden. Die Anmeldung kostet 500 Escudo und die Dokumente und Kopien nochmal etwa 500 CVE, es geht hier also um 1000 CVE, also 9 Euro. Auch diese Last nehmen wir heute von ihren Schultern.

Die letzte an der Kasse ist Nelida. Ich kenne sie schon, denn sie ist die Nachbarin von unserer guten Seele Filo. Nelida ist immer hilfsbereit, egal für was und auch sie freut sich sehr über den Einkauf, der ihr und ihren 2 Söhnen die nächsten Tage sehr weiterhelfen wird. 

 

Am Ende der Einkäufe hören wir immer wieder die gleichen Worte, die uns immer wieder freuen. Dankbarkeit, Segnungen und vor allem die Aufforderung uns zu melden, wenn sie mal etwas für uns tun können. Denn eine Hand wäscht hier schließlich die andere , gerade in der jetzigen Situation. 

 

Diesmal wollten wir von diesen Schicksalen keine Fotos einstellen. Ich hoffe ihr habt dafür Verständnis.


15.06.2020

Hilfe für Morais: Hier: "Morais mit Baby"   (ein Situationsbericht  von Birte aus Sal Rei)

 

Heute habe ich mich mit einem jungen Vater getroffen. Sein Baby ist 9 Monate alt und er hat mich kontaktiert, um Hilfe bei der Bezahlung von Medikamenten für sein Baby zu bekommen.

Morais arbeitet eigentlich auf einem Ausflugsboot. Nun wurde leider sein Kind krank und er fand zudem bei der Versicherung noch heraus, dass sein Arbeitgeber die Abgaben für die Versicherung seit mehr als 6 Monaten nicht bezahlt hat und somit seine Krankenversicherung für ihn und das Kind erloschen ist. Ein zusätzlicher Schlag zu all den Problemen, die eh schon herrschen.

Wir gingen also in die Apotheke und der Betrag belief sich auf etwa 7 €. Ich fragte ihn, was denn mit dem Baby sei und er sagte, dass es oft Bauchschmerzen hätte, weil sie sich das Babymilchpulver das im Moment nicht leisten können und daher nur das normales Milchpulver kaufen.

Also sind wir gleich weiter gezogen, in einen Supermarkt. Wir kauften 2 Packungen Babymilch und auch gleich noch eine Packung Windeln. Was rein geht muss auch wieder raus. Wir hoffen, dass es dem Baby bald wieder gut geht und freuen uns, wenn wir manchmal ganz spontan ein Problem lösen und eine große Freude machen können.

Morais hat sich gewünscht, dass wir ein Bild machen, denn er meinte, was die Organisation macht sei wichtig. Jeder ist im Moment in einer schwierigen Lage und wenn es dann Menschen wie uns gibt, sei es wie ein kleines Wunder. 


14.06.2020

Hilfe für Familien mit  Kindern und  ältere Menschen: Hier: "Suppenküche"   (ein Situationsbericht  von Birte aus Sal Rei)

  

Heute konnten wir nach schneller Organisation zusammen mit dem Verein ACUB (Associacao Cuminitaria Unidos pela Boa Vista, ein kapverdischer Verein im Bairro Boa Esperanca (Barracas), der auch einen Kindergarten mit finanziert) eine tolle Aktion starten oder besser wieder zum Leben erwecken.

ACUB hat in den letzten Wochen jeden Sonntag für die Kinder im Bairro Boa Esperanca Suppe gekocht und verteilt. Letzte Woche mussten sie leider aufgrund von fehlenden finanziellen Mitteln dieses Projekt einstellen. Ein Post bei Facebook hat uns auf diese Aktion aufmerksam gemacht. Bei einem Treffen mit den Verantwortlichen von ACUB haben wir beschlossen, hier mit finanziellen Mitteln und "Manpower" die Suppenküche weiter am Leben zu halten. Nach den Berechnungen können wir nun für 4 Wochen zweimal wöchentlich Suppe im Bairro und auch im Viertel Santa Barbara, in der Straße Frinacao (zwischen Te Manche und Fischhalle) anbieten.

Die Suppe wird von den Leuten der ACUB gekocht. Es geht schon morgens zwischen 5 und 6 Uhr los und wenn alles fertig ist, wird die Suppe in große Eimer umgefüllt und dann von Haustür zu Haustür in jeder Straße verteilt. Die Reaktionen gestern waren sehr interessant. Wir hatten schon gehört, dass die Suppe wohl die letzten Male etwas "dünner" geworden war (bedingt durch die finanziellen Probleme), wodurch einige Kinder anfangs etwas skeptisch waren. Ein kurzer Blick in den Topf machte ihnen aber schnell klar, dass es sich lohnte doch nochmal zu probieren. Nachdem also die erste Straße eher bedeckt auf unser Angebot reagierte, standen in der 2. Straße schon einige mit ihren "Tupperschalen" bereit. Die Motivation der Helfer und auch die Dankbarkeit der Bewohner war einmalig. Trotz Hitze wurde der Eimer immer wieder gefüllt und es ging so lange weiter, bis die Suppe leer und auch das letzte Haus versorgt war. In dem Stadtviertel Santa Barbara, war die Suppenküche gestern eine Premiere, dort wurden die beiden Töpfe abgestellt und aus der ganzen Gegend kamen die Leute, um sich ihr Mittagessen abzuholen (die vier hatten eindeutig den leichteren Job :-)) Für die nächsten Male werden wir auch im Bairro ausprobieren Stationen einzurichten, an denen die Menschen die Suppe abholen können. So geht die Verteilung schneller, die Suppe bleibt heiß und jeder hat sie zum Mittag auf dem Tisch.

 

Die Vorstellung, dass das Ganze nun für 4 Wochen funktioniert und viele Kinder und auch ältere Leute versorgt werden können macht uns sehr glücklich und wir bedanken uns bei der ACUB für die tolle Zusammenarbeit. Die Suppe für eine Woche zu kochen kostet übrigens ca. 400 € (43.000 CVE) und es werden damit an die 1000 Kinder und ältere Leute versorgt. Eine gute Investition.

An dieser Stelle möchte sich der Verein Help for Boa Vista bei allen Spendern, in dieser für jeden nicht ganz einfachen Situation, recht herzlich für derzeitige finanzielle Unterstützung bedanken. Vielleicht können wir dieses Projekt auch noch für weitere Wochen mit betreiben.

 


09.06.2020

Hilfe für Familien mit kleinen Kindern. Hier "Tag der Windeln" :  (ein Situationsbericht  von Birte aus Sal Rei)

 

Es ist 9 Uhr 30. Der Boas Compras (Einkaufsmarkt in Sal Rei) ruft an und sagt der Fahrer mit unserer "heißen Ware" (38 große Päckchen Windeln) ist auf dem Weg. 5 Minuten später fängt er an im Hausflur die Pakete auszuladen. Zu diesem Zeitpunkt stehen schon die ersten Frauen mit Kleinkindern und Babys vor der Tür. Sie wissen, dass es erst in einer Stunde losgeht mit der Verteilung (so haben wir es publiziert), aber sie wollten sicher gehen, dass sie auch etwas abbekommen. Also warten sie geduldig, helfen sogar beim Ausladen. Als man immer mehr Stimmen vor der Tür hört, entscheiden wir uns die Pakete alle nochmal zu halbieren. Es sind doch sehr viele gekommen, mehr als wir erwartet haben. Eine gute Entscheidung.

10 Uhr 20 Uhr fangen wir an die Namen der Frauen und Kinder aufzunehmen. Alle sind geduldig, keiner reklamiert das es "nur" eine halbe Packung gibt, jeder ist dankbar für die Hilfe, die es gibt. Elyas holt ein paar seiner Autos von oben und schon haben wir eine kleine "Spielecke", aus der die Kinder nicht wieder wegwollen. Einige bleiben noch nachdem sie ihre Packung bekommen haben, tauschen sich aus, erzählen ihre Geschichte. Viele bekannte Gesichter, die wir aus anderen Aktionen kennen tauchen auf. Nachbarn, Freunde, Kollegen haben ihnen Bescheid gesagt, wenn sie es nicht selbst auf Facebook gesehen haben. Nach ca. 20 Minuten gehen die Windeln für die größeren Kinder schon aus, aber man arrangiert sich, wenn für das eigenen Kind nichts mehr da ist, wird die Nachbarin, Schwägerin oder irgendjemand anderes angerufen, denn für sie könnte es noch was geben.

 

Eine Frau, die kleines Gebäck und Pizzastückchen verkauft, kommt vorbei und lässt uns eine kleine Stärkung da. Ihre Kinder brauchen keine Windeln mehr, aber sie freut sich trotzdem für alle anderen. Sie verkauft auf der Straße, ist den ganzen Tag unterwegs und erzählt, dass sie in einem kleinen Haus wohnt mit 3 Parteien zusammen. Ihre offene Stromrechnung beläuft sich auf ca. 20 €, ihr wird gesagt, dass der Strom abgestellt wird, wenn sie diese Rechnung nicht bezahlt. Ich sage ihr, dass sie mir die Rechnungsnummer schicken soll und wir würden uns darum kümmern. Sie hat Tränen in den Augen.

Auch ein paar Interessenten für die Erwachsenenwindeln tauchen auf, genau die, die wir hier gerade haben (eine schmale Größe) scheint es auf Boa Vista gar nicht oft zu geben. Es spricht sich schnell rum, ein Laden um die Ecke schickt die Frauen zu uns, auch das Krankenhaus sagt ihnen Bescheid. Auch als alles schon weg ist, machen sich immer noch Leute auf den Weg zu uns. So ist es immer, die Dinge sprechen sich schnell rum und jeder macht sich auf den Weg.

In Gesprächen versuchen wir auch herauszufinden was wir noch tun können, womit wir sonst noch helfen können. Wir hören immer wieder, dass offene Stromrechnungen ein riesen Problem darstellen. Als keine Windeln mehr da sind fangen wir an alle aufzuschreiben, die noch gekommen sind, mit Namen und vor allem die Größe der benötigten Windeln. Wir entscheiden uns, dass diese registrierten Personen beim nächsten Mal Priorität haben und auch das ist für alle in Ordnung.

Jetzt ist es 13 Uhr und immer noch klopft es oder man hört Rufe von unten. Wir haben uns vorgenommen noch eine Stunde weiter Daten aufzunehmen und dann müssen wir erstmal stoppen. Aber der nächste "Tag der Windeln" kommt schon bald. 

 

Auch wenn diese Berichte natürlich etwas sehr Beklemmendes haben, denn durch sie wird die Armut und akute Situation nochmal greifbarer. Die Menschen hier haben immer noch Hoffnung, die Stimmung ist fröhlich, man lacht und scherzt, denn es sind eben diese kleinen unverhofften Hilfen die immer mal auftauchen und wieder Zuversicht bringen. 


06.06.2020

Hilfe für einzelne Familien. Hier Familie "Elvin" :  (ein Situationsbericht  von Birte aus Sal Rei)

 

Heute ist Samstag und wir haben uns nach einem Treffen gestern vor einem Supermarkt mit Elvin verabredet. Er ist super pünktlich, obwohl er eigentlich gar nicht weiß, was wir genau vorhaben. Elvin ist Anfang 30, lebt auf Boa Vista mit seinen 6 Kindern und normalerweise auch mit seiner Frau. Die Verhältnisse in denen sie wohnen sind schlimm. Eine winzige Küche, ein Raum in dem alle schlafen und kein Bad und das in einer Unterkunft, für die der Begriff "Hütte" wohl noch zu groß ist. Warum normalerweise mit seiner Frau? Die ist seit Ausbruch von Corona auf der Hauptinsel Santiago, sie sitzt dort fest und es ist unklar, wann sie wieder herkommen kann. Also kümmert sich Elvin mit all seinen Kräften um die 6 Kinder - die Älteste ist gerade 15, der Kleinste 1,5 Jahre alt. Elvin hat keine feste Arbeit und schaut immer wo er ein paar Tage als Aushilfe arbeiten kann, was natürlich im Moment so gut wie unmöglich ist. Als Mika (mein Lebensgefährte) Elvin findet, ist er gerade dabei zu kochen. Ein großer Topf mit Wasser, einem Brühwürfel und ein halber Kilo Reis - er sagt es gibt Suppe, aber mehr hat er nicht dafür zur Verfügung. Ich sage extra, er hat ihn "gefunden", denn Elvin gehört trotz seiner extrem schwierigen Lage zu den Personen, die eben nicht kommen und um etwas bitten oder gar etwas fordern. Als ich das erste Mal zu ihm gehe, ist er sehr reserviert, unsicher und es ist ihm sichtlich unangenehm, dass ich es sehe wie er lebt, dass ich Fragen zur Situation stelle. Deswegen machen wir das ganze sehr schnell und sagen ihm, dass wir gerne mit ihm einkaufen gehen möchten und genau das haben wir heute getan. Zwei Bilder gibt es vom Einkauf.Die "Wohnung" zu fotografieren kam für mich nicht in Frage und auch er möchte nicht auf ein Bild, was völlig okay ist. Die Kapverdianer sind ein stolzes Volk und für viele ist dies ein "betteln". Für uns ist es absolut in Ordnung, denn es geht nicht um reißerische Bilder oder darum, irgendwem zeigen zu müssen wie arm jemand sein kann. Es geht darum zu helfen und das gespendete Geld an den richtigen Stellen einzusetzen. Hier, an dieser Stelle ist es gerade Gold wert. Auf den Bildern sieht man den Einkauf. Einen Sack Reis, eine Packung Windeln für den Kleinsten und 4 Tüten mit Lebensmitteln. Das ganze hat einen Wert von fast 80 €, denn Boa Vista ist teuer. Was hat Elvin noch ausgesucht? Brei für die kleineren Kinder, Milchpulver, Kartoffeln, Johgurt, Bohnen, Linsen und als am Ende noch ein kleiner Puffer ist, frage ich ihn, was er noch braucht. Er sagt ganz leise, "ein Deo". Ja auch das gehört natürlich dazu. Wo kein Geld für Essen da ist, fehlt es natürlich schon erst recht an diesen Dingen. Er sucht ein sehr neutrales Deo aus, damit die größte Tochter es auch mitbenutzen kann. 

Ein Freund hilft ihm alles nach Hause zu tragen und ich sage ihm zum Abschied, dass er sich bitte nicht schämen soll, denn es gäbe nichts schlimmes an dieser Situation. Er tut etwas großes, indem er kämpft und versucht alle mit durch zu bringen, denn auch das ist nicht selbstverständlich.

 

Während wir nach Hause gehen, frage ich mich, wie viele von diesen Menschen wir ausfindig machen werden, die ganz still jeden Tag bestreiten, auch wenn es noch so schwierig ist. Ich hoffe, wir können viele dieser Menschen ausfindig machen, denn leider ist es hier so, dass man nach den wirklich schlimmen Fällen suchen muss, weil sie sich selten von alleine melden, um Hilfe zu bekommen. 

 


16.05.2020

Situationsbericht vom 16.05.2020 von unserem Vereinsmitglied Birte aus Sal Rei, Boa Vista.

 

Seit dem 14.5. sind wir offiziell aus der Quarantäne raus, jedoch sind die Bestimmungen weiterhin recht streng. Geschäfte durften wieder öffnen, Bars, Restaurants, Frisöre und alles an Freizeitaktivitäten aber noch nicht. Bedeutet also auch, dass die Strände weiterhin gesperrt sind.

 

Es ist ein bisschen schwierig genaue Angaben zu machen, denn in der offiziellen Rede des Präsidenten hat er Boa Vista (BV) eigentlich gar nicht erwähnt. Er hat gesagt, dass Santiago bis Ende Mai noch in Quarantäne bleibt und somit war klar, dass BV keine Verlängerung bekommt. 

Wir sind seit ca. 3 Wochen ohne neuen Fall und bis auf derzeit 2 Personen, die noch in Isolation sind, gelten alle anderen Fälle als geheilt (sie wurden also 2 mal negativ getestet). Man hat kurz vor Ende der Quarantäne eine Aktion mit Schnelltests gestartet, um Stichproben zu nehmen.  Die 43 Proben waren alle negativ. Dies wurde heute offiziell mitgeteilt. 

 

Was man direkt am Freitagmorgen hier bemerken konnte ist, dass die Baustellen wieder aktiviert wurden und mehr auf den Straßen los war. Die Leute bewegen sich wieder etwas freier und somit können ein paar wenige auch wieder ihre Arbeit aufnehmen. 

 

Weiterhin problematisch bleibt die Versorgungssituation. Die Stadt und auch einige andere Gruppen packen weiterhin die Versorgungspakete (die Stadt erstmal bis Ende des Monats) und es wird außerdem Wasser in den Barracas verteilt. Strom und Wasser werden auch bei Nichtbezahlung der Rechnung bis Juni nicht abgestellt. Wenn sich das über Monate ansammelt, wird das Problem dadurch natürlich nicht kleiner. Soweit ich gehört habe, gab es noch keine Gelder von der Versicherung, die ja einen Teil der Gehälter übernehmen wollten. 

 

Boa Vista ist auch weiterhin abgeschnitten. Man hat erstmal nicht vor, den Schiffs- oder Flugverkehr zu anderen Inseln aufzunehmen. Wann dies geschehen wird, wurde nicht gesagt. Zwischen einigen der anderen Inseln gibt es wieder Schiffsverkehr.

 

Die Schüler werden (ähnlich wie in Deutschland) nach und nach den Unterricht wieder aufnehmen. Ab Ende Mai als erstes die 12. Klassen, denn diese stehen ja kurz vor dem Abschluss. Ende des Schuljahres soll der 30. Juni sein. Danach wird man im Juli mit den anderen Klassen weitermachen, wobei auch da die Prüfungen Priorität haben. Der Kindergarten soll für die Vorschüler ebenfalls Ende Mai wieder starten, aber dafür gibt es noch keine Bestätigung. Bis dahin läuft weiter das Unterrichtssystem über den Fernseher, bzw. die Kinder die keinen Zugang dazu haben werden mit gedrucktem Material vom Ministerium für Bildung versorgt. 

 

Alle weiteren Lockerungen hängen wahrscheinlich auch von der Entwicklung in Santiago mit der Hauptstadt Praia ab, denn dort ist die Zahl der Fälle weiterhin steigend (Stand 16.05.2020: 269 positiv getestet). Die Gesamtzahl der positiven Covid-19 Fälle auf den Kap Verden liegt bei 328, davon sind 85 Menschen wieder genesen. Letzte Woche hat sich das Virus in einer Psychiatrischen Klinik ausgebreitet und in den letzten Tagen auch im Gefängnis. Beides Orte an denen die Menschen sehr dicht zusammen sind und es schwierig ist die Distanz einzuhalten. 

 

Was die Touristen angeht so wird wohl zuerst der individuelle Sektor wieder aufgenommen (kleine Hotels und vor allem Apartments), denn die großen Hotels werden einigen Veränderungen gegenüber stehen. Auch wenn die TUI (z.B. Belgien) schon Flüge ab Juni verkauft ist dies eher unwahrscheinlich. Im März konnte man auf den Seiten ebenfalls Flüge für Mai buchen, daher sollte das kein Anhaltspunkt sein. Die Positiven Stimmen hier gehen von Touristen ab September/Oktober aus, wobei da die Meinungen absolut auseinander gehen und man das auch nur mit der Zeit absehen kann. 


18.04.2020

Situationsbericht vom 18.04.2020 von unserem geliebten Vereinsmitglied Birte. Sie lebt seit 2008 in Sal Rei auf Boa Vista.

  

1.     Der Ausnahmezustand wurde für die von Corona betroffenen Inseln bis zum 02.05.2020 verlängert. Für alle Inseln, die bis jetzt keine positiven Fälle hatten, ist die Ausgangssperre bis zum 26. April verlängert worden. 

2.     Auf Boa Vista wurden die vergangenen 2 Wochen Lebensmittelpakete von Freiwilligen gepackt und verteilt. Dies wurde in den letzten Tagen etwas runter gefahren, wegen der 45 neuen positiven getesteten Fälle und der damit verbundenen Isolierung der Barracas (keiner rein, keiner raus) - außerdem kommen viele der Helfer ebenfalls aus dem Bairro. Das Militär und die Polizei kontrolliert die Zugänge. 

3.     Die Lebensmittel kommen im Moment noch größtenteils aus den Lager- und Kühlhäusern der ansässigen Firmen (Emicela, Chinesen). 

4.     In der Boa Esperanca (die Schule und der Kindergarten in den Barracas) wird außerdem Wasser verteilt. Die Wasser- und Stromrechnungen werden zugestellt, aber im Moment hat es keine Konsequenz, wenn diese nicht bezahlt wird (keine Abschaltung nach einem Monat). 

5.     Es wird nun geschaut, wie viele Personen von anderen Inseln der Kap Verden sich noch auf Boa Vista befinden. Es wird dann versucht werden, diese auf einem sicheren Weg auf ihre Heimatinseln zurück zu bringen. 

6.     Die positiv getesteten Fälle sind wieder in Quarantäne und es wurde so gut es ging ermittelt, mit wem sie vorher (in den ca. 24 Stunden) Kontakt hatten. Diese Leute werden ebenfalls überwacht, auch durch Kontrollen von Tür zu Tür. 

7.     Es gibt eine Hotline, bei der sich Betroffene oder Menschen mit Symptomen melden können, damit sie sich nicht in die Krankenhäuser begeben müssen. 

8.     Angesetzte Untersuchungen (z.B. für Schwangere, Babys, Notfälle) werden weiterhin normal im Krankenhaus behandelt.  

9.     Die meisten Menschen gehen von sich aus sehr verantwortungsbewusst mit der Situation um, in Fällen der Missachtung der Regeln wird streng gehandelt (Aufnahme der Personalien, Festnahmen, Bußgelder).

 

 Wir hoffen sehr, dass die Situation schnell unter Kontrolle gebracht wird, gehen aber davon aus, dass der Tourismus für einige Monate ausfallen wird. Daher ist es wichtig, dass nicht jetzt sofort alle Spenden ausgegeben werden, sondern damit gehaushaltet wird. Das ist für einige schwer zu verstehen, aber je länger es dauert, desto kritischer wird die Situation und es ist wichtig, dass auch zu einem späteren Zeitpunkt noch Hilfen zur Verfügung stehen. Daher werden wir eure Spenden nach und nach an den Bürgermeister von Boa Vista überweisen.

  

Alle Mitarbeiter der Hotels (aus dem Tourismus) haben für den Monat März ein normales Gehalt bekommen. Für die nächsten Monate wollen die Versicherungen und Arbeitgeber eine 70% Lösung anstreben, also jeweils 35% werden von den beiden Seiten übernommen.

  

Wie jedes andere Land auch, sind die Kapverden in einer Ausnahmesituation, die keiner so bisher erlebt hat. Daher muss man auch einfach ein bisschen geduldig sein, denn nicht alle Probleme und Aufgaben können innerhalb einiger Tage gelöst werden. Wichtig ist erstmal die Quarantäne einzuhalten und danach weiter zu sehen, was dann nötig ist.

 

02.04.2020 Erste schnelle Hilfe

Durch die Corona-Pandemie kann für eine längere Zeit kein Urlauber mehr auf die Kapverden fliegen. Zum Glück und durch sehr schnelles handeln der Regierung konnte eine Ausbreitung des Virus in der Bevölkerung verhindert werden. Bis zum 17.04.2020 sitzen die Menschen auf Boa Vista erstmal noch in Quarantäne. Doch was gibt es danach, ohne Urlauber? Viele Menschen haben ihren Job verloren und haben jetzt kein Einkommen mehr. Daher sammeln wir, um den Menschen zu helfen. Wir sind in Kontakt mit dem Bürgermeister von Boa Vista. Unser Verein hat auf das eingerichtete Spendenkonto des Bürgermeisters 500 Euro überwiesen. Durch die vielen eingegangenen Spende (über Facebook, Paypal und auf unser Vereinskonto) konnten wir bereits weitere 1814 EUR überweisen.

Die noch eingehenden und  noch ausstehenden Spenden werden wir dann in einer weiteren Überweisung übermitteln. Hierfür sind die Gebühren dann natürlich günstiger, wie wenn jeder selbst seine Spende auf die Kapverden überweist. Die Gebühren bezahlt der Verein.

 

Wir bedanken uns bei allen Spendern und bei denen die noch spenden werden im Namen der Bevölkerung von Boa Vista. Bitte bleiben oder werden Sie gesund.


Informationen über die Escola Nova

11.12.2019

Unsere Mitglieder Manuela Reich und Stefan Trösch waren in der letzen Woche zu Besuch in der Escola Nova in Sal Rei, der Schule von unserem Bauprojekt und hat die Kids besucht und ein paar Bilder gemacht.

Im Moment gehen über 650 Kinder in die Escola Nova. Die eine Hälfte kommt am Morgen, die andere Hälfte am Nachmittag. Es stehen zur Zeit 11 Klassenräume zur Verfügung. Der Baubeginn für 3 weitere Räume ist am 14.12.2019 geplant. Die Kosten für den zweiten Bauabschnitt belaufen sich auf ca. 49.000 Euro (netto). Diese werden durch unseren Verein komlett finanziert, also durch eure Spenden und Zuwendungen.

Danke schonmal dafür.

Sie haben euch ein paar Fotos der Schulküche mitgebracht. Die Kinder bekommen jeden Tag ein Mittagessen, das in der Regel aus Reis und Bohnen besteht. Mehr gibt das Budget nicht her. Für einige Kinder ist es die einzige regelmässige Mahlzeit am Tag.

Kontakt

Help for Boa Vista e.V.

Goethestraße  37

35510 Butzbach

 

Tel.:  06033 / 79 66 18

info@help-for-boavista.com

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Registernummer:  VR 3022

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